Donnerstag, 3. September 2009

Ministrieren an St. Murphy's Law

Eine Heilige Messe zum Hochfest St. Murphy's Law durfte ich vor einiger Zeit erleben. Kennzeichend für einen echten Murphy ist schon, daß ausgerechnet dazu eine Rekordzahl von Gottesdienstbesuchern kommt, sich diverse geistliche Würdenträger eingefunden haben und die Messe per Beamer auch anderswohin übertragen wird. Schön wäre es, einen möglichst guten Eindruck zu machen. Womöglich haben wir das, würdig blieben wir auch in größter Bedrängnis. Innerlich hatte jedoch (fast) jeder mindestens einmal ein Schild mit der Aufschrift "Just shoot me!" auf dem Chorhemd oder der Albe.

  • Der Weihrauchfaßträger erscheint einfach überhaupt nicht. Im Falle er doch noch kommen sollte, zünden wir anderen schon einmal die Kohle an. Dabei stürzt sich die erste Kohletablette zu Tode (bröckel, bröckel), die zweite ist so lebensmüde, daß sie nicht mehr zünden mag und, da keine Kohlezange vorhanden ist, macht man sich die Hände dabei möglichst schwarz – zweimal. Kohlezange, Dochte und Streichhölzer – wer braucht sowas?

  • Wenige Minuten vor dem Einzug wird unversehens vom Lektor ein Ersatzthuriferar rekrutiert, der zwar inzensieren kann, aber keine rechte Vorstellung davon hat, wie wir als Prozession ein- oder ausziehen. Auch zündet er nach der Predigt die zweite Kohle zu spät an, weshalb der Zelebrant leicht verzweifelt in der äußerst minimalistischen Glut stochern muß. Ein Leuchterträger, der den Kehrvers beim Antwortpsalm nutzen soll, um im Altarraum möglichst unauffällig die Seite zu wechseln, entschließt sich, dies bei der leisen Orgelintonation vor dem Antwortpsalm zu tun. Dabei machen seine Schuhe klonk, klonk, klonk.

  • Die eigentlich durchaus fähige Buchministrantin (= ich) entschließt sich ausgerechnet heute, da kein Schiffchenträger vorhanden ist, das Meßbuch erst nach der Inzens zur Gabenbereitung auf den Altar stellen zu wollen – und vergißt das natürlich. Bevor der Zelebrant allerdings eine Postkarte auf die Buchseite schickt, bringe ich es ihm netterweise dann doch noch :oops:. Nun ja, der hl. Benedikt fordert uns auf, die Verdemütigungen zu lieben.

  • Die Zelebrationshostie fehlt. Der Zelebrant sucht trotzdem unverdrossen und in gleich zwei Hostienschalen danach. Der Altardienst intoniert währenddessen innerlich das Herr, erbarme Dich! Die $Aufsichtsperson erkennt die Notlage, eilt und fliegt, ich schreite würdig dahin und bringe die Patene mit der ersehnten Hostie.

  • Eine der Leuchterkerzen, die zur Begleitung der Kommunionspender dienen sollen, erlischt natürlich genau in dem Augenblick, in dem wir loswollen. Das zuerst hinzugezogene Streichholz gemeinerweise ebenfalls. Außerdem wird offenbar, daß der Windschutz der Leuchter schwärzlich verfärbt und bei einem Leuchter schon zu nichts mehr nutze ist. Der Zelebrant, der von alledem nichts weiß, macht ungeduldige Handzeichen. Ich als Leuchterträgerin habe bei der Begleitung des Allerheiligsten in den großen Saal buchstäblich alle Hände voll damit zu tun, um die Kerze wiederum vor dem Erlöschen zu schützen, während "mein" die Kommunion spendender Priester wie ein junger Hirsch voranspringt.
  • Auf dem Rückweg fällt der ohnehin schon angekokelte Windschutz des anderen Leuchters kurz vor dem Wiedereinzug in die Kirche einfach ab und kollert quer über den Boden. Immerhin war er so freundlich, im Kreuzgang vor der Kirche abzufallen und nicht etwa erst im Mittelgang vor dem Altar. Übrigens kam ich bei dieser Sakramentsprozession mangels freier Hände zu meiner allerersten Mundkommunion, das war wirklich ein Lichtblick.

  • Der Zelebrant hat überraschenderweise währenddessen schon die Gefäße vom Altar geräumt und mit der Purifikation begonnen.

  • Der feierliche Segen soll eigentlich von einem der anwesenden hochwürdigsten Herren gespendet werden, dem ich auch das Buch vorhalte (dem rechten Kleriker zur rechten Zeit, so weit, so gut). Stattdessen spendet aber der Danebenstehende leidenschaftlich und falsch krächzend den gesungenen Segen.
  • Man zieht in Prozessionsform zum Orte, wo Hochwürdigster Herr No. #1 einen Vortrag halten soll. Währenddessen bleibt der Bildkanal aus der Kirche offen und überträgt im Großformat in bunter Folge Standbilder aus der Kirche (in der jemand ab und zu durchs Bild schreitet und schonmal ein wenig aufräumt), diverse Dialogfenster aus Windows, ein oder zwei Bluescreens und den Bildschirmhintergrund eines antiken Windows Vista.
Zum Abschluß schenken sich die Hochwürdigsten Herren gegenseitig Kreuze und alles wird schön.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Ähm, war das die Geschichte mit den deutschen und polnischen Bischöfen am vergangenen Sonntag?

Braut des Lammes hat gesagt…

Nein – da hab ich ein Alibi… ;) Es hat sich vor einiger Zeit, ganz anderswo und mit einer zusammengewürfelten Mannschaft zugetragen. Vielleicht nehm ichs lieber wieder raus – es sind alles gute Menschen.

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