Freitag, 11. September 2009

Die Rosenkranzandacht (und ich)

Auf die Gefahr hin, nun mit Schwung aus einigen Blogrolls zu fliegen:

Zu fast allen Formen der Andacht, die man in der katholischen Kirche pflegt[1], habe ich einen guten Zugang. Zum Rosenkranz bisher eher wenig. Meine Schwierigkeit dabei: entweder ich bete ein Ave Maria oder ich meditiere ein Glaubensgeheimnis – aber nicht beides zugleich. Außerdem geht wegen meiner Gewöhnung an das Angelusgebet meine ganze Konzentration dafür drauf, die jeweilige Clausula nicht zu vergessen.

Nachdem ich vorletzten Jahr bei den abendlichen Andachten im Rosenkranzmonat Oktober aushilfsweise ein- zweimal eingesprungen bin, habe ich letztes Jahr im aufgrund irgendeines Phänomens – feste Termine und kurzfristige Einspringerei – auf einmal bei den meisten Rosenkranzandachten vorgebetet (die kurze Variante). Da mir ein Gesätz mit Liedern so ganz alleine „etwas wenig“ erschien und zudem an mehreren Tagen der Organist bei der Andacht seines Waltes einfach nicht amtete, habe ich die jeweils mit einem meditativen Impuls – eine Meditation vom sel. Johannes XXIII. oder eine Lesung aus dem Stundenbuch[2] – verbunden. Und siehe da, es wurde besser! Die Gleichzeitigkeit ist zwar immer noch nicht gegeben, vielleicht muß man aber auch nicht um jeden Preis danach streben.

Ebenfalls im letzten Jahr schlug mir einer der Gottesdienstbeauftragten vor, dieses Jahr könnte ich ja dann gleich von vornherein eine der „großen“ Rosenkranzandachten übernehmen. (Ein Schmankerl am Rande: im letzten Jahr haben wir auf einmal festgestellt, daß der hauseigene Rosenkranz im letzten Gesätz nur noch neun Perlen hat. Wir wissen nicht, wie und wann es dazu kam. Räusper.) Eigentlich glaube nicht, daß es zum Äußersten kommt, denn – wie ich zu meiner Verwunderung mitbekommen habe: so manches Ämtchen und manche Bürde Würde ist eine Erbdynastie. Zu meinen besten Eigenschaften gehört ein gewisser Grad an Naivität: ich dachte, es ginge darum, die Menschen nach ihren Gaben einzusetzen. Aber nein: Wer bei der Messe für die Mitglieder des Sowiesowerkes ministrieren darf, wer in der Kapitelsvesper die Lesung liest und Palmsonntagabend die Passion – das alles ist kein Zufall. Sehen und vor allem gesehen werden, das ist hier die Frage.

So darf ein Gottesdienstbeauftragter, der das wirklich gut könnte, beim Kreuzweg nicht vorbeten, weil andere das „schon immer“ gemacht haben. Und die sonstigen Personen in der Passion werden von der Ehefrau eines Lektors gelesen – nicht, weil sie es könnte, sondern weil sie mit einem Lektor verheiratet ist (das muß so sein wie in der Zahnpastawerbung mit der Frau des Zahnarztes). Doch halt, das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Bei einer kleinen Rosenkranzandacht wird man jedenfalls kaum gesehen, auch ist die Anreise aus der eigenen Datsche nur zu diesem Behufe offenbar nicht lohnend genug, und so soll darf ich ran. Käme es jedenfalls jetzt doch zum Undenkbaren, müßte ich erst noch üben. Ich habe zeitlebens noch keinen Rosenkranz am Stück gebetet, geschweige denn vor.

So, jetzt wißt ihr's.

______
[1] Siehe dazu auch Elsas Markt der Möglichkeiten

[2] Wie die Rezeption war, weiß ich nicht. Schlesische Marienlieder, die ich sämtlich nicht kann, kommen, glaub ich, besser.

Kommentare:

David hat gesagt…

Vielleicht kommt die Liebe zum Rosenkranz ja noch. Rosenkranz beten ist schöner, wenn es nicht als Andacht gestaltet wird, z.B. mit Freunden bei einem Spaziergang oder vor den ausgesetzten Allerheiligsten in der Kirche. Da wird das Herz durch den Rosenkranz in die Höhe geschraubt!

Vox Coelestis ...................... hat gesagt…

Man muß auch nicht jede Andachtsform immer und allezeit genial finden. Der Rosenkranz ist unzweifelhaft sehr wertvoll, wie die Geschichte der Kirche und des Glaubens lehrt ... aber so heilsfördernd er auch sein mag, heilsnotwenig ist er nicht.

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für den guten Zuspruch :)

Wie sich herausgestellt hat, hätte ich mich gar nicht zu sorgen brauchen – Rosenkranzvorbeter, wo man hinschaut. Daß sie bei uns alle männlich sind, halten die $Aufsichtspersonen für ein Kuriosum.

Rosenkranz-Atelier hat gesagt…

Ich habe diesen Post erst jetzt gelesen...
Zum Haus-Rosenkranz mit nur 9 Perlen: ich kann ihn gern reparieren oder gleich dem Haus einen neuen schenken...sag nur Bescheid!

Wegen der Liebe zum Rosenkranzgebet:es ist eine Sache, die man nicht erzwingen kann und auch nicht muss.
Wie Vox coelestis schon sagte, heilsnotwendig ist er nicht.
Ich mag auch sehr das indirekte Rosenkranzgebet: nämlich das mitbeten bei einer CD. Es gibt wunderschöne englischsprachige wo der Rosenkranz gebetet wird mit Meditation und entsprechender Hintergrundmusik; sie sind viel andachtsvoller, finde ich, als die mir bekannten deutschen Versionen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke, das ist ein sehr freundliches Angebot. Ich erkundige mich beim Küster. Es ist so ein besonders großer Rosenkranz, die fehlende Perle fehlt übrigens noch immer und dürfte unauffindbar sein.

Eine meiner Schwierigkeiten dürfte auch darin liegen, daß hierzulande die Clausula jeweils in der Mitte eines Gesätzes genannt wird. Mittlerweile habe ich gehört, daß das in anderen Sprachen durchaus nicht so ist.

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