Samstag, 22. August 2009

Wie ich einmal in Versuchung geriet

Die Christinnen und Christen, die Laiinnen und Laien, die Beterinnen und Beter, die Pfarrbriefausteilerinnen und Pfarrer- und Pfarrerinnenbriefinnenausteilerinnen ($please add your favourite word) – sie sind mitten unter uns.

Daß es sich bei Christ und Laie um Formen handelt, die per se beide Geschlechter einschließen, und bei den Substantiven, die auf -er enden um ein generisches Maskulinum, ist den Leuten irgendwie nicht klarzumachen. Ich versuchs auch nicht, ich weigere mich nur, bei diesem konzertierten Sprachwahnsinn auch noch mitzumachen. Die manchmal etwas skurrilen und politisch besonders korrekt sein wollenden – letzteres ist immer leicht anstrengend – Fürbitten der (wenn ich mich recht erinnere) Diözese Trier (O-Ton: „…und für alle, die damit gar nichts anfangen können! – Herr erbarme Dich!" Ein anderes Mal „…und für die, denen das alles egal ist"[1]) haben mich einmal beinahe zum Gegentum verführt. Es nahm mit den -innen und -en einfach kein Ende, was die Anzahl der Fürbitten akustisch noch verdoppelte:
Für die Winzerinnen und Winzer, die in der Weinlese…
Für die Soldatinnen und Soldaten, die im Ausland…
Für die Gastgeberinnen und Gastgeber, die in diesen Tagen….
usw. usf.
und zum Schluß kam, einsam und allein:
für die Priester.
Während ich mich so vorbetenderweise auf den einsamen Priester zuarbeitete, habe ich schon überlegt: les ich jetzt „Für die Priesterinnen und Priester"? Nicht aus irgendeiner Vorliebe heraus, sondern aus schierem Experimentierdrang: nur um zu sehen, ob da jemandem in der Gemeinde der Kopf hochfährt oder ob einfach alle „Wir bitten Dich, erhöre uns!" murmeln. Dann hab ichs doch lieber gelassen – das war wahrscheinlich auch besser so.

[1] Verrichtet eigentlich auch gelegentlich jemand ein Stoßgebet für die armen Menschen, die dieses Zeugs im Gehorsam vorbeten?

Eine kindliche Freude hatte ich dagegen einmal im Frühjahr, als der Zelebrant „Für alle, die eine Mutter haben" betete. – Kurze Pause, leicht verwirrter Gesichtsausdruck: „…also für alle!" :)

Kommentare:

Vox Coelestis ...................... hat gesagt…

Die gewöhnlichen und vermeintlich politsch-korrekt formulierten Fürbitten hinken ohnehin dem Zeitgeist schon wieder gnadenlos hinterher, schließlich werden Formulierungen wie "Winzerinnen und Winzer" von den meisten im Sinn eine rein bipolaren Geschlechterzementierung verstanden. Was aber ist mit den Weinbauer_Innen, die sich dem transgenderbereich zugehörig fühlen? Also sollten wir formulieren:

"Für alle Winzerinnen und Winzer und für alle Winzerinnen, die sich als Winzer empfinden, und für alle Winzer, die sich als Winzerin fühlen, und für alle Winzerinnen und Winzer, die sich nicht auf eindeutige Geschlechtsmuster festlegen lassen wollen -
schenke allen, du väterliche Mutter und du mütterlicher Vater, eine gute Weinernte.
Wir bütten D..."

Damit kommen wir der Sache näher ... ;-)

Anonym hat gesagt…

Köstlich, danke, die ganze letzte Woche net so viel gelacht wie mit diesem Artikel, Gott segne dich! :))

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