Freitag, 21. August 2009

Hochamt mit Balletteinlage

Am Sonntag im Hochamt, nach der hl. Kommunion:

Ich darf das Allerheiligste mit dem Leuchter zum Tabernakel begleiten (das ist mir einer der liebsten Dienste). Der Küster als Gottesdienstbeauftragter soll reponieren. In der Unterkirche wandern zwei ältere Frauen herum, die gerade ausgiebig die Holzschnitte an der Wand – den Kreuzweg – besichtigen und sich für unsere kleine Sakramentsprozession nicht im mindesten interessieren. Das ist schade, aber was soll man machen – wir haben gerade anderes zu tun. Ich knie nieder, der Küster setzt das Allerheiligste wieder ein, eine letzte Kniebeuge, der Leuchter wird gelöscht, wir wollen zurück in die Oberkirche. Die beiden Damen finden, daß nun ein guter Moment wäre, die Altarinsel genauer in Augenschein zu nehmen und auszuprobieren, wie es sich auf dem Priestersitz so sitzt. Die Handbewegung des Küsters ist bemerkenswert höflich, aber eindeutig. Im übrigen möchte er die rote Kordel, die den Altarraum absperrt, wieder auflegen – er weiß, warum. Auch das interessiert die Damen erst einmal nicht, sie haben eine Mission, sie wollen die Kirche besichtigen, und wo sie nun schonmal hier sind… Schließlich gelingt es dem Küster, sie aus dem Bezirk der roten Kordeln hinaus zu bugsieren. Die beiden retirieren zur Treppe hin, wobei sie uns noch zwischen den Füßen herumlaufen bzw. auf selbige treten (eine der beiden hat allerdings einen Fuß ausgelassen, ich habs genau gesehen). Schließlich schaffen wir nur unwesentlich nach dem Ende des Dankliedes wieder zu den Sedilien.

O tempora, o mores! Ich frage mich, ob wir besser dran wären, wenn wir statt der mehrsprachigen Schilder – mindestens in deutsch, englisch und russisch – Keine Besichtigung, Gottesdienst! eine Passage aus dem Katechismus aufhängten:
Wir sollen
• Christus im heiligsten Sakramente gern besuchen und anbeten
• uns in seinem Hause immer würdig betragen.

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