Donnerstag, 30. Juli 2009

29. Juli – Hl. Martha

Innerlich bin ich gestern über die Predigt zum Gedenktag der heiligen Martha gestolpert und dabei auch über die Frage, wieso der schöne Text aus dem Buch der Sprichwörter 31,10-31 (der allerdings nicht zu den Lesungen des Tages gehörte, sondern etwa zum Fest der hl. Anna gelesen wird) im Lektionar so zusammenstrichen ist, daß nur mehr das „hausfrauliche Gerüst“ übrigbleibt, während die kaufmännischen und sonstigen Qualitäten unter den Tisch fallen. Wohl dem, der die Perikope im Ganzen kennt:
10 Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert. 11 Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie und es fehlt ihm nicht an Gewinn. 12 Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens. 13 Sie sorgt für Wolle und Flachs und schafft mit emsigen Händen. 14 Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns: Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung. 15 Noch bei Nacht steht sie auf, um ihrem Haus Speise zu geben [und den Mägden, was ihnen zusteht]. 16 Sie überlegt es und kauft einen Acker, vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg. 17 Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft und macht ihre Arme stark. 18 Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit, auch des Nachts erlischt ihre Lampe nicht. 19 Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel. 20 Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht ihre Hände dem Armen. 21 Ihr bangt nicht für ihr Haus vor dem Schnee; denn ihr ganzes Haus hat wollene Kleider. 22 Sie hat sich Decken gefertigt, Leinen und Purpur sind ihr Gewand. 23 Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet, wenn er zu Rat sitzt mit den Ältesten des Landes. 24 Sie webt Tücher und verkauft sie, Gürtel liefert sie dem Händler. 25 Kraft und Würde sind ihr Gewand, sie spottet der drohenden Zukunft. 26 Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge. 27 Sie achtet auf das, was vorgeht im Haus, und ißt nicht träge ihr Brot. 28 Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie: 29 Viele Frauen erwiesen sich tüchtig, doch du übertriffst sie alle. 30 Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob. 31 Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, ihre Werke soll man am Stadttor loben.
Aus irgendeinem Grund wird die heilige Martha jedenfalls offenbar vorwiegend mit der Erzählung im Lukasevangelium vom „besseren Teil“ in Verbindung gebracht, allenfalls noch mit ihren hausfraulichen Qualitäten, wobei dem Zelebrans auch dazu nichts Erbaulicheres eingefallen ist, als die arme Martha wegen „ihrer Hektik“ zu tadeln (2nd time!). Die Erkenntnis, daß Maria und Martha eigentlich zwei Seiten derselben Medaille sind, blieb mit all den freundlichen Dingen die man über Martha und die aktiven Ordensgemeinschaften hätte sagen können, leider weitgehendst im Dunkeln (möglicherweise ein Haushälterinnentrauma…)

Dabei ist Martha auch diejenige, die den Herrn als solchen erkannt hat, und zu ihm sagt: Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Jaja, der gestrige Zelebrant hier im Dom hat Marta auch zur Theologin erhoben.

Braut des Lammes hat gesagt…

Disclaimer: falls das so klang, als wenn ich die Predigt lieber hätte selber halten wollen – das ist wirklich nicht meine Gabe (noch mein Amt). Mir hat nur es nur um die heilige Martha etwas leidgetan.

Und jetzt setzen wir uns alle hin und schreiben hundertmal "Marta" ;)

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