Mittwoch, 11. Juni 2008

Tyrannosaurus visitarii

Im Nachgang auf die unten zitierte Äußerung hatte ich mich schon einmal etwas sarkastisch zum Thema Kirchenknigge ausgelassen. Sommers – fast immer Samstagnachmittags – bricht das Aua! angesichts mancher Touristengruppen, die die Kathedrale heimsuchen aufsuchen, im allgemeinen wieder auf.
„Ziemlich unangenehm finde ich den Kirchen-Tourismus, wenn er ausgeübt wird, als betrete man ein Museum. Aber respektvolle Besucher werden das unterlassen und sie werden schon aus eigenem Gefühl wissen, wie das zu tun ist.“
So hätte ich das ursprünglich wohl auch einmal formuliert. Da man aber berücksichtigen muß, daß immer mehr Leute heutzutage völlig kirchenfern aufwachsen und die in der Kirche zur Schau getragenen Manieren teilweise immer exotischer werden, hielte ich einige kurze Erläuterungen oder eine FAQ durchaus für angezeigt.

Ein paar Dinge, mit denen man hierzukirch öfter konfrontiert ist:
  • Es wäre nett, wenn Schilder mit Keine Besichtigung, Gottesdienst! beachtet würden. Die Kirche dann trotzdem und teils unter erheblicher Geräuschentwicklung zu besichtigen, ist unhöflich. Sogar grob unhöflich ist, während der sogenannten sakramentalen Aussetzung die dafür vorgesehene Kapelle bzw. Unterkirche zum Zwecke der Besichtigung gruppenweise aufzusuchen. Solche Gottesdienstformen dienen der stillen Verehrung. Wer da ein- oder zweimal quer durch den Raum und ohne jegliche Ehrbezeugung – es muß nicht bei jedem die doppelte Kniebeuge sein – am Altar vorbeilatscht, nach fünf Minuten alles öde findet und wieder aufbricht, hat die anderen wirklich nachhaltig gestört. Kommen und gehen kann man während dieser Andachten als Einzelperson wie man will, nur eben leise.
  • Das Fotografieren, besonders mit blendend hellem Blitz und Kreischekamera, wird während der Gottesdienste als störend und unehrbietig empfunden.
  • Beichtstühle und -zimmer sollen nicht besichtigt werden, zumal nicht, wenn jemand gerade darin beichtet.
  • Mobiltelefone stellt man in der Kirche auf stumm oder am besten gleich ab. Allein in der vergangenen Woche hat jemand in einem Gottesdienst zwei Gespräche angenommen und auch lautstark gefülhrt, bevor er sich dann netterweise nach draußen begab. Bei einem anderen klingelte direkt an der Kommunionbank das Händi.
  • In katholischen Kirchen gilt es vor einem Gottesdienst eigentlich als unüblich, sich angeregt zu unterhalten, da die Zeit vor Beginn der inneren Sammlung dient. Spätestens während des Gottesdienstes sollte Ruhe einkehren, auch die Predigt kann man später kommentieren. Laute Ehestreitigkeiten sind nicht während eines Gottesdienstes auszutragen.
  • Ein Mindestmaß an ordentlicher Bekleidung macht sich ganz gut.
  • Betet man bei einer Gottesdienstform „mit Bewegung“ – etwa einem Kreuzweg – mit, so lasse man große Gegenstände am besten in der Bank oder auch in der Sakristei und trage sie nicht mit sich, von Station zu Station. (Wer mein Jünger sein will, nehme seinen Rucksack und seine Tuba auf sich und folge mir nach...)
  • Ungeweihte und konsekrierte Hostien sind nicht mitzunehmen.
Ganz aktueller Nachtrag:
  • Höchst eigenartig, aber immer öfter anzutreffen, ist die Manier, Zelebranten und versammelte Gemeinde während eines Gottesdienstes so zu behandeln wie etwa die Tiere im Zoo, indem man zum Beispiel werktags während einer Heiligen Messe mit zwei Kindern vorbeischneit und während(!) der Predigt(!!) des Dompropsts(!!!) mit den Kindern eine Führung mit ausführlichen Erklärungen veranstaltet: „Und der Mann da drüben…" Gewöhnlich trägt man dabei Holzclogs bzw. klingt, als käme man direkt vom Hufschmied.
Das wars erst einmal – jetzt gehts mir besser. :yes:

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